Kleine Geschichte des Web-Video

 

Kleine Geschichte des Web-Video

Die Geschichte des Web-Video wird noch zu schreiben sein, sicher von jemandem berufenerem als mir. Zumal ich schon gedacht hatte, sie sei vorbei. Zumindest was den Web-Video-Guide angeht.

Aber da hatte ich mich getäuscht. Allenfalls der Krieg der Formate war vorbei. Der Boom der Communities begann gerade erst. Das war so im Februar 2006. Der Boom der Video-Communities wie YouTube oder MySpace macht schon jetzt vergessen, dass Web-Video einmal eine nervtötende Angelegenheit war, von der Produktion bis zum Web-Streaming - wenn man das überhaupt so nennen konnte, was die drei hauptsächlich vertretenen Player so boten: Real Video, Quicktime und der MediaPlayer von Windows.

Es gab mehrere technische Entwicklungen, die 2006 zum wirklichen Urknall des Web-Video führten:

1. Die über Funk oder Leitungsnetze übertragbaren Bandbreiten hatten sich exponentiell entwickelt. Von den 40 Bit/sec des Morsens um 1900 - das ist übrigens die Geschwindigkeit, der das menschliche Wahrnehmen und Verstehen gerade noch folgen kann - über das über 1000-fache beim 56 kbit/s-Modem (V.

90-Standard) von etwa 1999 bis zum ADSL mit bis zu 24 Mbit/s und VDSL mit 50 Mbit/s, das ist wiederum das Tausendfache des Modems.

2. Die Rechengeschwindigkeit der Computer hat sich ebenfalls etwa alle 18 Monate verdoppelt - das Moore'sche GGesetz beschreibt, dass sich durch den technischen Fortschritt die Komplexität von integrierten Schaltkreisen etwa alle 18 Monate verdoppelt - und damit auch die Prozessorleistungen. Im gleichen Maß sinkt interessanterweise der Preis der Rechenknechte und des Zubehörs, etwa schneller Festplatten. Damit wird auch das Schneiden, Encoden, Abspeichern von digitalem Video am heimischen PC erschwinglich.

3. Die Datenkompression machte riesige Fortschritte. War für die Übertragung eines TV-Signals noch 216 MBit/sec erfoderlich, erreicht die Komprimierung mit MPEG-4 etwa für DVD's heute die gleiche Qualität bei 0,5% dieser Datenrate - nämlich bei 1 Mbit/s. Das sorgt entscheidend dafür, dass weniger Daten zu übertragen und zu speichern sind.

Der Siegeszug von YouTube - dessen Wert hat sich übrigens mit dem Faktor 500 in einem Jahr entwickelt (von 3,5 Mio Startkapital 2005 bis zu 1,65 Mrd. Euro) beruht noch auf einem anderen - diesmal nicht technischen - Phänomen: Der "gefühlte" Nutzen sozialer Netzwerke für den einzelnen User wächst quadratisch mit der Anzahl der Nutzer. Diese Theorie, deren Quelle ich leider in meinen Bookmarks nicht mehr gefunden habe - erscheint sehr einleuchtend. Zumal mit der Formel Wert=Wert*Nutzerzahl(hoch2) auch das Wertwachstum YouTubes im vergangenen Jahr zu erklären ist (und übrigens auch das Potential attraktiv gemachter Web2.0-Angebote nicht zu unterschätzen ist).

Der Boom beginnt also gerade, und der jugendliche Webvideo-Produzent, Programmdirektor und Verleiher in Personalunion von heute muß sich nicht mehr um sperrige Formate, Codecs, Datenraten, teure SCSI-Festplatten oder überforderte rechner kümmern. Webvideos machen ist für den Anwender so einfach geworden wie Bloggen oder surfen - und einfacher als es Morsen jemals war. Er dreht mit seinem Handy heute Filmchen, die dank Flash Video und YouTube und Co. mehr Zuschauer erreichen können als der Tatort der ARD oder mancher 35mm-Hollywood-Streifen.

Im Zentrum des Webvideo-Booms :-) - und damit komme ich zum Anfang zurück - sammelt der Web-Video-Guide als deutsch-englisches thematisches Web-Verzeichnis Links zur Produktion, Technik, und natürlich zu den neuen Communities rund um Web-Video und digitalen Film. Es gibt ihn seit 2001 - fast hätte ich ihn eingestellt, Anfang 2006, nachdem Flash und dot-flv den Krieg der Formate offensichtlich gewonnen hatten und selbst meine Oma Webvideos produzieren könnte. Aber damit fängt der Web-Video-Spaß ja erst richtig an.

Sie sind herzlich eingeladen, ihre Links, Tipps und Ideen im Webvideoguide einzubringen.

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