Kinderbuch aufgrund politischer Gründe verdammt?

 

Kinderbuch aufgrund politischer Gründe verdammt?

Die österreichische Kinderbuchautorin Annette Krebausz-Töll hat ein neues Kinderbuch verfasst, das allerdings vorerst nur im Direktversand erworben werden kann. Ursache dafür ist eine Auseinandersetzung mit ihrem Verleger, der sich weigerte, das Buch, das seiner Meinung nach als politisch kontrovers aufgefasst werden kann, zu vermarkten.

Das Buch namens Shishashnuck ist im arabischen Raum angesiedelt. In einem nicht näher bezeichneten Land des nahen Ostens, das Ambiente wie immer liebevoll illustriert von Krebausz-Tölls „Hauszeichner“ Thomas Manndeiser, lebt das kleine Mädchen Jasmin, das den Botschaftersohn Alex kennenlernt. Diesem fehlt zunächst jedes Verständnis für die fremde Kultur, bis ihn Jasmin in einen geheimen Jugendklub einführt, der sich beim Rauchen einer Shisha über die großen Themen der Welt der Kinder austauscht, wohlgemerkt: der Welt und nicht einzelner Länder oder Kulturen – wie Alex bald feststellt, sind die Probleme und Hoffnungen der Kinder universell, die Konflikte der Erwachsenen dagegen erscheinen absurd und ausweglos.

Nach einer der Sitzungen mit der Wasserpfeife erscheint Alex im Traum der Elefant Shishashnuck, der ihn auf eine Reise quer durch alle Kulturkreise mitnimmt und ihm einen Einblick in die menschliche Seelenwelt ermöglicht (auf welche Weise soll hier freilich nicht verraten werden), der Raum für Hoffnung lässt. Als Alex am nächsten Tag Jasmin davon erzählt, scheint ihr dieses Wissen allerdings nicht neu zu sein...

Krebausz-Tölls Verlag führt den angeblichen Drogenkonsum durch Jugendliche als Grund für seine Ablehnung an, doch ist daran zu zweifeln, ob tatsächlich die nur in der Nebenrolle vertretene Shisha der wirkliche Grund ist. Vielmehr ist zu vermuten, dass dem Traditionshaus angesichts von Karikaturenstreit und Botschaftsbränden das Eisen einer wie auch immer im arabischen Raum angesiedelten Geschichte zu heiß ist. Dabei geht das Bilderbuch höchst sensibel mit den Themen Differenz und Toleranz um, und dennoch viel entspannter und gewitzter als die selbsternannten Leuchtfeuer der Pressefreiheit.

Artikel wurde von Rudolf Schachtwust am 21.11.2007 eingereicht.

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