Geschäftseinrichtung
Vor kurzem lief ein Lifestyle Bericht im Fernsehen, der verschiedene Geschäftseinrichtungen von Friseursalons verglich. Auf der einen Seite wurde ein Wiener Nobelladen vorgestellt, der in einer Villa eingerichtet worden und mit antiken Möbeln nur so voll gestopft war. Auf der anderen Seite wurde ein eher heruntergekommener, afrikanischer Laden vorgestellt, der neben dem Frisiersalon auch noch diverse Souvenirs vom schwarzen Kontinent zum Verkauf anbot.
Im Nobelladen spazierten hauptsächlich gut situierte Damen mittleren Alters aus und ein, was bei den Preisen der Starcoiffeure nicht weiter verwunderlich ist. Einige dieser Damen besuchen den Salon allwöchentlich, nur um sich die Haare waschen und föhnen zu lassen. Man gönnt sich schließlich ja sonst nichts.
In ihrem ganzen Streben nach einem eleganten Äußeren, einer eleganten Umgebung und einer eleganten Welt, in der die Damen so gerne leben, verwechseln sie nur leider Geld mit Stil. Die
Geschäftseinrichtung ihres heiß begehrten Nobelladens mag zwar teuer sein und bei genauer Betrachtung der Einzelstücke auch geschmackvoll, aber in der Zusammensetzung, wie in diesem Salon wirkte die gesamte
Friseureinrichtung wie ein überfüllter Flohmarkt.
Antike Möbel en masse und zwischen drinnen, so deplatziert wirkend wie Highheels in einem Kuhstall, Waschbecken und Friseurutensilien.
Aber auch die Friseureinrichtung des Afrikaladens schnitt in punkto Geschmack nicht besser ab. Die gesamte Geschäftseinrichtung war schmuddelig, alt und abgenutzt. Bei einem Blick auf die Preise wurde schnell klar warum. Bei derart niedrigen Preisen für die Behandlungen ist eine neue Friseureinrichtung einfach unfinanzierbar.
So abschreckend die Ausstattung auch wirkte, diese abschreckende Wirkung wurde völlig überschattet von der Freundlichkeit und Herzlichkeit der afrikanischen Inhaberin und der Angestellten.
Obwohl ich nicht unbedingt ein Fan von Rastafrisuren bin, würde ich den afrikanischen Salon in jedem Fall dem schicken Nobelladen, mit der antiken Geschäftseinrichtung und der höchsten Snobdichte Wiens, vorziehen.
Klaus Hochreiter, klaus_hochreiter@aon.at