Ein Plädoyer für das Hufeisen.
Bei der Suche nach einer geeigneten Überschrift viel mir auf: Was bedeutet eigentlich Plädoyer. Das Schlusswort des Staatsanwalts im Strafprozess! Hat das gute alte Hufeisen das überhaupt nötig?
Schon Jesus hat sich nach einem Hufeisen gebückt. Und die alten Kelten (und die jungen wahrscheinlich auch) nagelten bereits 100 bis 200 v. Chr. Hufschutz aus Eisen oder Bronze unter die Hufe. Um den Barhuffreunden gereicht zu werden hier kurz die Anmerkung das es schon viel früher bei den alten Ägyptern (warum sind das eigentlich immer alte?) Hufschutz aus geflochtene Sandalen oder Lederschuhe verwendet wurden. Aber den Barhuf hebe ich mir mal für einen späteren Artikel auf. Das sprengt sonst den Rahmen.
Zurück zum Hufeisen. Eine klasse Erfindung. Das Horn des Hufes nutzt sich je nach Beschaffenheit (sowohl des Bodens als auch des Horns) relativ stark ab. Das beste Beispiel sind hier die Kutschpferde (der berühmte Bierwagen, den jeder kennt), welche sich überwiegend auf Straßen und Wegen bewegen.
Dort ist der Abrieb naturgemäß enorm. Ein Stallkollege (Hallo Michael) hat sich dem Fahrsport verschrieben und da geht ohne Eisen (oder sonstigem Hufschutz) nix. Nicht nur jeder Motorradfahrer der schon einmal mit seiner Jeans (wer trägt schon
Schutzkleidung) gebremst hat weiß, wie rau Asphalt ist. Aber das kennen wir ja alle aus unseren ersten Fahrversuchen mit dem Fahrrad. Da hat ja auch jeder gelernt, wie gemein Asphalt, Steine, Schotter, usw. sein kann.
Aber auch wer seinen Liebling fürs Reiten nutzt ist vielen Faktoren ausgesetzt, die dem Huf zusetzen. Der feine Sand vom Reitplatz schmirgelt das Horn im Laufe der Zeit gnadenlos runter. Viele Pferde stehen heute in Boxen (egal ob Einzelbox oder Paddockbox) die mit unterschiedlichen Belägen gepflastert sind. Was wir da schon alles gesehen haben! Und wenn das Pferd 24 Stunden auf Pflaster steht ist der Abrieb entsprechend hoch.
Und zu guter letzt gibt es da noch die Problemhufe. Spätestens jetzt bringe ich wahrscheinlich etliche Barhuffreunde gegen mich auf. Aber trotzdem, man muss es deutlich sagen: Es gibt Probleme am Huf, die mit einem permanenten Hufschutz am besten (oder ausschließlich) zu behandeln sind. Verletzungen am Huf oder Unfälle, die mit einem extremen Verlust von Hornmaterial einher gehen. Hufrehe werden traditionell mit einem Eisenbeschlag behandelt. Bei Spat wird ein Rundeisen verwendet, bei Fehlstellungen ein Keileisen, bei Trachtenzwang ein Pantoffeleisen usw. Die Aufzählung könnte ich jetzt endlos weiterführen, spare ich mir allerdings an dieser Stelle. Sie lesen gerade diesen Artikel im Internet und über verschiedene Hufeisenformen und die entsprechende Verwendung können Sie sich ein paar Klicks weiter ausführlich informieren. Aber die Westernreiter muß ich doch noch erwähnen. Stichwort: Sliding Stop. Dafür gibt es sogar spezielle Hufbeschläge.
Ich wollte an dieser Stelle nämlich auf etwas wesentlich interessanteres hinaus. Nämlich die festgefahrenen Meinungen bezüglich
Hufschutz. Je nachdem wen man fragt, bekommt man eine andere Antwort. Da gibt es die meist (leider nicht immer) sehr gut ausgebildeten und kompetenten Hufpfleger. Je nach Schule nennen Sie sich Hufpfleger, Huforthopäde oder auch Voodoprister . Schade ist nur, das sie oftmals kategorisch vom Hufeisen oder sogar vom Permanentbeschlag abraten. Über die Gründe kann sich jeder selbst Gedanken machen. Ich habe die Feststellung gemacht das die Barhufexperten, die nicht beschlagen können/dürfen, tendenziell vom permanenten Hufschutz abraten. Dann gibt es noch die, die zwar auf Grund der trotteligen Gesetzeslage in Deutschland keine Eisen nageln dürfen, aber permanenten Hufschutz „anbringen“ dürfen. Die sind wenigstens so vernünftig (oder geschäftstüchtig) einen Klebebeschlag zu empfehlen. Ach ja, da gibt es schon einigen Wildwuchs. (Eigentlich wollte ich mir den Seitenhieb sparen aber es muss einfach raus Denn da gibt es ja noch DIE Barhufschule, die dafür berühmt ist die Pferde blutig zu schneiden (was fairerweise sicherlich übertrieben ist) und das Hufeisen kategorisch ablehnen. Man merkt schon, was diese Schule angeht bin ich etwas voreingenommen.
Wollen wir an dieser Stelle aber mal zurück zum Hufeisen und somit auch die Hufschmiede nicht vergessen (auch Ihr bekommt euer Fett weg). Am besten man gerät an einen Hufschmied der eine grundlegende Ausbildung als Hufpfleger hat und zusätzlich Hufschmied ist. Solch ein Hufschmied kann die Pferde vernünftig ausschneiden. Je nachdem, ob ein Eisen genagelt werden oder ob das Tier Barhuf stehen soll. Solch einen Hufschmied wünsche ich mir ---- habe ich aber (bis auf eine Ausnahme) noch nicht getroffen. Die meisten Hufschmiede bestehen (mehr oder weniger) auf Ihr Eisen. Einfache Fließbandarbeit, man braucht nicht groß zu überlegen, Standard eben. Und passt dann auch zum Ausbildungsstand des Hufschmiedes. Meistens haben die Hufschmiede eine metallverarbeitende Ausbildung genossen und sich die Pferdekenntnisse zusätzlich angeeignet. Von solch einem Hufschmied kann man natürlich keine über das Eisen hinausgehenden Behandlungsvorschläge im Problemfall erwarten. Und dann gibt es noch die wirklich kompetenten Hufschmiede, meist für eine Tierklinik tätig. Aber die sind entsprechend teuer und ausgebucht. Viel Spaß bei der Suche
Wie erkenne ich einen guten Hufschmied? Dafür gibt es kein Patentrezept. Also testet doch einfach mal unauffällig euren Hufschmied. Schneidet er bei Hufeisen anders aus als beim Barhuf? Das sollte nämlich so sein und ich kann es als Laie erkennen. Dies ist ein sicheres Indiz dafür ob er sich wirklich Mühe gibt oder nur „so macht wie immer“. Ist er bereit und in der Lage auch Alubeschläge (es gibt Leute die sagen doch wirklich Alueisen!) oder Kunststoffbeschläge anzubringen? Empfiehlt er einen temporären Hufschutz (Hufschuhe) wenn die Probleme nur kurzfristiger Natur sind oder das Tier nur in bestimmten Situationen einen Hufschutz benötigt? Hat er vielleicht sogar Alu- und Kunststoffbeschläge dabei und bietet dies von sich aus an?
Abschließend kann ich nur den heißen Tipp geben: Augen auf bei der Hufbearbeitung.
Ich hoffe der kurze Artikel war interessant und anregend für Sie. Über ein (positives) Feedback würde ich mich sehr freuen.
Wilfried Gabor
w.gabor@gmx.de