Vertrauen in die Zukunft? Zum Richtfest am BND-Neubau in Berlin.
Seit zwei Jahren baut der Bundesnachrichtendienst (BND) in Berlin eine neue Zentrale, in dieser Woche war nun Richtfest. "Ein Neubau drückt immer auch Vertrauen in die Zukunft aus", so der Leitsatz der Rede von Kanzleramtsminister Ronald Pofalla zum feierlichen Anlass. Wie darf man das verstehen?
Betrachten wir den Bau. Zweierlei fällt sofort ins Auge: Er ist grau, und er ist riesig. In der neuen Berliner Mitte, die an betonstarrenden Klötzen zyklopischen Ausmaßes ohnehin nicht eben arm ist, fällt dieser Koloss nochmals aus dem Rahmen. Auf einer Länge von 270 Metern prangt eine moderne Trutzburg über der Chausseestraße und bildet mit ihrer verwinkelten Architektur eine streng abgeschottete kleine Welt unweit des Berliner Hauptbahnhofes.
Damit übertrifft der BND-Neubau an Größe alle (!) Bauten des politischen Berlin. Weder das Kanzleramt, noch die monumentalen Bürokomplexe der Abgeordneten des Bundestags können da mithalten.
Das gilt auch für dei Kosten: Unser Geheimdienst erhält das teuerste Gebäude, das jemals im Namen der Bundesrepublik Deutschland errichtet wurde.
790 Millionen Euro wird der Bau kosten - so der Plan. Nach den üblichen Entwicklungen im öffentlichen Bauwesen wird man nah an der Wahrheit liegen, wenn man die endgültigen Kosten in der Nähe einer Milliarde Euro sieht (zur Erinnerung: das sind 1 000 000 000 einzelne Euros).
Hinzu kommen die Kosten des Umzugs vom bayerischen Pullach in die Hauptstadt; geplante 710 Millionen Euro. Während - eine wenig bekannte Tatsache - immer noch Teile zahlreicher Bundesministerien (Auswärtiges Amt, Bundesministerium der Verteidigung, die Liste ließe sich fortsetzen) zwischen Berlin und Bonn aufgeteilt sind und für eine gute Auslastung der entsprechenden Fluglinien sorgen, zieht der BND nun komplett nach Berlin.
Ob mit der neuen räumlichen Nähe zum Bundestag das Maß der parlamentarischen Kontrolle des Geheimdienstes ansteigt, wie in den politischen Begründungen für den Umzug immer wieder zu lesen war, sei hier dahingestellt.
Die Eindrücke und Zahlen zum Neubau machen aber deutlich, dass der Kanzleramtsminister insoweit Recht behalten wird, als man sich um die Zukunft des Bundesnachrichtendienstes nicht sorgen muss; Personalabbau ist offenbar nicht vorgesehen.
Was aber symbolisiert dieser Bau im Hinblick auf die Zukunft der Republik?
Wie gesagt, grau und riesig sieht er aus - der Zutritt ist verboten und jeder, der vorbeigeht, wird gefilmt.
AK
beingoo Verlag & Agentur