Lange laue Nächte auf der Terrasse- eine eigene Finca auf Mallorca
Ich wollte auf keinen Fall eine Baustelle kaufen, als ich mich auf Mallorca auf die Suche nach einem
Ferienhaus begab. Aber was will man machen? Das Haus in der Nähe von Manacor lag idyllisch auf dem Land, im Hintergrund ein paar Hügel vom Sa-Cabana-Naturschutzgebiet und ein toller Blick auf die grüne Landschaft. Die nächsten Fincas konnte ich in einiger Entfernung sehen, so dass sichergestellt war, dass niemand vom Nachbarbalkon auf meinen Grillrost gucken kann.
Ich schlug zu, die Immobilienagentur wickelte alle Formalitäten problemlos ab, ich beauftragte Handwerker mit dem Umbau nach meinen Wünschen und verbrachte den Urlaub, während mein „Casa Andrea“ umgestaltet wurde, in einer
Wohnung in Portocolom.
Nach knapp einem halben Jahr nahm das Haus langsam Gestalt an. Die Wände wurden weiß verputzt, ein Rundbogen vom Wohnzimmer in die Küche gemauert, die Bäder in Weiß und Blau gefliest. Immer mal wieder kam ich aus Münster angeflogen, um Stippvisiten auf Mallorca zu machen und um die Handwerker ein bisschen zu quälen.
Das war eine weise Entscheidung. In Manacor erstand ich mexikanische Möbel und den restlichen Hausstand, den man für ein Ferienhaus auf Mallorca so braucht. Der erste Sommer mit meinen Kindern war ein Traum, denn die langen Nächte auf der Terrasse bei rund 28 Grad kennt man so aus Deutschland eher nicht. Kaum waren wir nach den Sommerferien aus Deutschland zurück, buchten wir direkt für die Herbstferien. Und für die Weihnachtstage. Ich wollte schon immer mal die Feiertage unter Palmen verbringen. Jetzt hatte ich die Möglichkeit und packte eine Reisetasche voller Geschenke ein. Sonne am Heiligabend und rund 20 Grad, das kam uns allen komisch vor, aber man kann sich daran gewöhnen.
Dass auf Mallorca manche Gepflogenheiten anders sind, hatte ich bereits im Sommer gelernt. So fand ich es total spannend, dass unsere spanischen neuen Bekannten, die in der Nachbarschaft wohnen, die Tanne bestaunten, die ich in einer Gärtnerei gekauft hatte und die ordentlich aufgetakelt worden war mit Kugeln und Lametta. Geschmückte Tannenbäume gehören nicht zur spanischen Weihnachtstradition, wie ich wohl wusste. Weil ich ein Naturfreund bin, schleppte ich den Tannenbaum mit dem dicken Topf in den Garten, holte einen Spaten aus der Garage und grub ein entsprechend großes Loch. Quasi im Schweiße meines Angesichts. Als das Loch groß genug war, zerrte ich den Baum aus dem Topf und erlebte eine böse Überraschung: Die Tanne hatte am unteren Ende lediglich einen sauberen Schnitt, aber keine Wurzeln. Und ich hatte das Teil ordnungsgemäß täglich liebevoll gewässert…
Meine Kinder hatten ihren Spaß. Bis heute wird mehr oder weniger an jedem Weihnachtstag ordentlich gelästert: „Weißt du noch, wie Mutter damals geflucht…“
Andrea Richter