Geht Messebau kostengünstiger? Teil 1
Jede Kauffrau und jeder Kaufmann weiß, dass sich Dienstleistung nicht von selbst ergibt, sondern an einem oder an mehreren Schreibtischen und Bildschirmen vorbereitet werden muss, bevor sie schlussendlich den Besteller oder die Zieladresse erreicht.
Für Aussteller auf Messen gilt in der Regel, dass sich eine Person um die
Beschaffung des Messestandes kümmert und viele Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzte, am Ende das fertige Ergebnis in der Messehalle vorfinden. Was für Kaufleute selbstverständlich ist, will manch einem Nichtkaufmann nicht immer einleuchten. Da hört man Äußerungen wie, „ so teuer war der Messestand“? Oder,
„ die Messemonteure haben doch nur so und so viele Stunden an dem Standbau gearbeitet, wie kann das denn so teuer sein“ ?
Was viele nicht wissen, nicht wissen können, ist, was tatsächlich dahintersteckt, hinter der schönen Kulisse eines fertigen Messestandes.
Lassen wir die Aufwendungen für Werbung, Marketing, Transporte, Montagen und Ähnlichem einmal außen vor und betrachten nur den Verwaltungsaufwand in einer Messebaufirma, bevor es zum Auftrag kommt, etwas genauer.
Da gilt es zunächst die Anfrage eines möglichen Kunden zu bearbeiten. Dazu ist in jedem Fall ein Anruf oder eine E-Mail notwendig. Später sind es viele Telefongespräche und noch mehr E-Mails. Doch zu Beginn muss der Messebauanbieter herausfinden, was der Aussteller unbedingt braucht, was er sich wünscht und was ihm zu empfehlen ist. Sind diese Punkte geklärt, was übrigens nicht mal eben so passiert, wie vielleicht ein Brötchenkauf, so wird der nächste Arbeitsschritt vorbereitet, die Entwurfsarbeit.
Der Messebauarchitekt braucht klare Fakten und Zielvorgaben. Er benötigt eigene kreative Ideen und sehr viel Berufserfahrung, um alle Elemente aus Fakten, Kundenwünschen und betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten in Einklang zu bringen. Bei größeren Standflächen und Projekten, werden auch Teamgespräche erforderlich, um nach der Angebotsphase das längere Ende für sich zu haben. Denn nur selten ist ein Anbieter allein im Rennen. Ein Thema übrigens, das später noch zu behandeln ist.
Je nach Größe der Ausstellungsfläche und den Anforderungen des Ausstellers an seinen Messeauftritt, bzw. nach seinen Messezielen, benötigt ein Messestandentwickler 1 – 100 Arbeitsstunden, um einen fertigen Entwurf vorzulegen.
Einigen wir uns in dieser Betrachtung einmal auf 3 Arbeitsstunden für den Vorentwurf und 1 Arbeitsstunde für spätere Änderungen. Damit decken wir cirka 75 % alle Messestände ab, die später in der Messehalle vorzufinden sind.
Unter den Vorgaben des Entwurfes, sind nun die Materialkosten zu ermitteln und die gesamte Montage und Demontage zu kalkulieren. Transporte, Kosten für mögliche Übernachtungen oder Überstundenzuschläge fließen in die Kalkulation mit ein. Nicht zu vergessen, die Nebenkosten und Beschaffungskosten fremder Lieferanten und Dienstleister, ohne deren Beitrag die meisten Angebote nicht zu schnüren sind.
Sie werden schon müde? Das Lesen langweilt Sie vielleicht? Das verstehe ich, doch vielleicht erweckt eine Zahl nun Ihre Lebensgeister.
Vom ersten Kontakt, bis zum Versand des Angebotes, sind in unserem Fall bereits 8,5 Arbeitsstunden investiert worden, ohne dass dafür eine Rechnung geschrieben wird. Ganz Recht, ohne Berechnung wird in diesem Fall und in ca. 100.000 weiteren Fällen jährlich, in Deutschland
Messebau angeboten.
Das kann nicht sein ! So denken Sie? Es ist leider so, denn viele Aussteller lassen sich mindestens 3 Angebote unterbreiten und einige ( besonders schlaue Aussteller, wie sie meinen es zu sein ), holen sogar 25 Angebote pro Messebeteiligung ein.
Rechnet man nun 8,5 Arbeitsstunden je Angebot x 100.000, so kommen wir auf 850.000 Arbeitsstunden. Das Ganze x 50,- Euro, so ergibt das einen volkswirtschaftlichen Schaden von 42,5 Millionen Euro. ( Zahlen sind vorsichtig geschätzt ).
Nun möchten Sie bestimmt wissen, wer das bezahlt. Es wird von den Ausstellern bezahlt, von denen, die irgendwo einen Messebauauftrag erteilen. Sie bezahlen mit ihrem Messestand die Angebote derer mit, die keinen Auftrag erteilt haben, nachdem sie ein Angebot erhielten. Wenn Ihnen als Aussteller, Ihr Standnachbar also stolz erzählt, das er sich für den Messestand 25 Angebote eingeholt hat, hauen Sie ihm aufs Maul, ( nur sinnbildlich gesprochen, versteht sich ) denn direkt oder indirekt haben Sie die dafür angefallenen Kosten mitgetragen.
ALPHA Beratungsgesellschaft mbH
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