Tischleindeckdich: Einkaufstrip in der Möbelstadt Manacor

 

Tischleindeckdich: Einkaufstrip in der Möbelstadt Manacor

Die Wände in unserem alten Kotten in der Nähe von Münster waren neu gekalkt, eine alte Bruchsteinwand wieder vorsichtig ans Tageslicht befördert. Und wir brauchten eine Atempause nach mehrmonatigem Umbau. Das kühle Maiwetter waren wir auch satt und entschlossen uns ganz spontan, nach Mallorca zu fahren. „Da schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe und kaufen dort unsere Möbel“, sagte ich begeistert. Mein Lebensgefährte stutzte. „Nach Mallorca fährt man wegen des Strandes und der Sonne und des Essens. Und wenn man da Einkaufen geht, dann Käsesorten von der Insel und Weine.“ Ich stimmte dem nicht zu, denn ich wusste, dass Manacor die Möbelstadt von Mallorca ist und der Strand gerade mal runde zehn Kilometer entfernt.

Also suchte ich nach Ferienwohnungen und kleinen Ferienhäusern oder einer Finca auf dem Land für zwei Personen. Ich wurde in der Cala Magrana fündig. Von dort aus sind es nur wenige Kilometer bis Manacor und die nächsten Strände kann man zu Fuß erreichen. Der Kauf von neuen Tischen und Stühlen sowie ein ausgedehntes Sonnenbad: All das konnte man, so erfuhr ich, in einer Woche ganz prima unter einen Hut bringen.



Die Ferienwohnung an der Ostküste war super gepflegt, der Gemeinschaftspool ein Traum und von der kleinen Terrasse konnte man bis auf das Meer blicken. Um den Urlaub langsam angehen zu lassen, nahmen wir gleich am ersten Tag ein ausführliches Bad im Pool, in dem das Wasser schon warm genug war. Na ja, für meinen Lebensgefährten schon. Doch nach dem Sonnenbad waren wir aufgewärmt genug, um uns mit frischen Lebensmitteln in Porto Cristo zu versorgen, dem „Heiligen Hafen“ von Manacor.

Am nächsten Tag machten wir uns in die Möbelstadt auf. Zu Fuß erkundeten wir die kleinen Gassen. In vielen duftete es nach Holz aus den zahlreichen Werkstätten. Nur von außen sahen sie unscheinbar aus, doch in den Werkstätten standen wunderschöne Möbel aus Massivholz. Beeindruckt waren wir von den vielen großen Möbelgeschäften, die sich vor allem an der Via Palma, der großen Hauptstraße, befinden. Wir entschieden uns noch nicht, sammelten aber erste Eindrücke. Am nächsten Tag fanden wir in einer kleinen Schreinerei einen dekorativen Esstisch mit acht passenden Stühlen. Unser Spanisch ist Gott sei Dank gut genug, um alles in die Wege zu leiten, die Möbel mit einer Spedition nach Münster zu transportieren. In einem großen Geschäft erstanden wir ein Sideboard in ganz schlichtem dunklen Holz.

Eigentlich war damit unser Einkaufstrip beendet, doch beim Bummel durch die Gassen – nach einem gemütlichen Essen auf dem oberen Marktplatz von Manacor – schlenderten wir noch weiter durch die Stadt auf der Suche nach einer Cafeteria, um einen Kaffee zu trinken. Doch wir folgten zunächst den kreischenden Geräuschen und kamen zu einem deutschen Schmied. Bei dem kauften wir das Tüpfelchen auf dem I für unsere Diele: Eine über hundert Jahre alte Tischplatte aus Holz. Alte mallorquinische Handwerkskunst. Mit handgeschmiedeten Nägeln, auf denen oben eine filigrane Rosenblüte sitzt. Die Platte haben wir zu Hause auf ein schlichtes Edelstahl-Gestell montiert und eine Glasscheibe darauf gelegt, um die Schnitzereien zu schützen.

Wenn unsere Gäste fragen, von welchem Designer denn das tolle Stück aus Holz und Glas in der Diele stammt, dann ist die Antwort einfach: Aus einer Schmiede in Manacor.

Andrea Richter

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