Bibelwissenschaften: Der Prophet Jeremia
Bis zum heutigen Tage gilt dieses biblische Buch aus dem Alten Testament als „das geistlichste im Alten Testament, mit Ausnahme der Psalmen“ (wo
christliche Gedichte vorherrschend waren), so der schottische Theologe Direktor Whyte. „Soweit wir die nötigen Informationen zur Urteilsbildung haben, war Jeremia der gesündeste, jüngste, tapferste, großartigste Mann in der Geschichte des Alten Testamentes“, so der renommierte Theologe.
Das Leben Jeremias
Im Gegensatz zu vielen Propheten hat Jeremia recht viel über sich selbst und
christliche Themen zu sagen. Er war von Geburt Priester und wurde in seiner Jugend zum Prophetendienst berufen. Als er seine Jugend (er war erst 21 Jahre alt) und seinen Mangel an Erfahrung und an Beredsamkeit als Gründe angab, nicht auf diese Berufung einzugehen, erhielt er die Zusicherung, dass Jahwe ihn vor seiner Geburt zu diesem Werk ausersehen habe. Darauf nahm er die göttliche Kraftausrüstung und den Auftrag entgegen. Er erhielt den Befehl, nicht zu heiraten. Die Botschaft, die er zu überbringen hatte, war streng und feierlich und bereitete diesem sensiblen und wahrhaft patriotischen Gottesmann viel Leid.
Sein Dienst wurde von seiner eigenen Familie nicht akzeptiert, und die Bewohner Jerusalems taten sich gegen ihn zusammen, bis sie ihn schließlich schlugen und ihn in den Stock legten (also so ähnlich wie in Ketten legen). Nach seiner Befreiung wurde er angegriffen und hätte beinahe sein Leben eingebüßt. Er wurde mehrmals gefangen gesetzt. Nach dem Sturz Jerusalems im Jahre 586 v.Chr. wurde er von dem Babylonischen König Nebukadnezar befreit und half dem neuen Gouverneur. Als dieser aber von dem Israeliten Gedalja ermordet wurde, wurde Jeremia gegen seinen Willen gezwungen, die vor den babylonischen Truppen fliehenden Juden nach Ägypten zu begleiten.
Besonderheiten
Unter allen Büchern der Bibel erklärt allein dieses, dass es im wiederhergestellten Israel keinen Platz für die Bundeslade geben wird (Kap. 3,16). Zudem enthält das Buch die einzigartigen Ausdrücke „Das Geschlecht seines Grimmer“ (7,29, Elberfelder Übersetzung) und „Und wollen sich nicht schämen“ (8,12). Sie konnten sich nicht mehr schämen, da ihre Sünde so schamlos war.
Jeremia starb wahrscheinlich in Ägypten, wo er mit einigen anderen Mitgliedern seines Volkes seine letzten Jahre verbrachte. Seine Gerichtsbotschaft an die Juden wurde von diesen nicht ernst genommen. So kam es wie vorhergesagt, dass die Juden gefangen nach Babylon geführt wurden. Erst unter Esra und Nehemia, viele Jahrzehnte später, wurden sie von dort wieder entlassen.
Eckart Haase