Zum Kloster Lluc mit der Mallorca - Karte vor der Nase
„Wenn wir in diesem Oktober wieder nach Mallorca fahren“, sagte mein Mann grinsend an einem lauen Sommerabend in Frankfurt, „dann nimmst du endlich mal an einem Crash-Kurs teil.“ Crash-Kurs? Urlaub? Unvereinbar. Ich verneinte. Ferien sind für mich ein Sonnenbad, gutes Essen und ein Buch in der Strandtasche. Allerdings hatte ich gegen den so genannten Crash-Kurs mit einer Kiste eines hervorragenden Weins aus Binissalem nichts einzuwenden.
Ich wollte mit diesen „Zutaten“ ein paar ruhige Tage an der Playa verbringen, doch gleich am ersten Tag nach unserer Ankunft in einer wunderschönen
Ferienwohnung in
Palma de Mallorca begehrte mein Gatte einen Mietwagen, in dem wir uns Richtung Inca aufmachten. Ich genoss die wunderschönen mallorquinischen Fincas, die hochherrschaftliche Villen, die Landschaft geprägt von Oliven- und Mandelbäumen. Das Thema Crash-Kurs hatte ich wohlweislich seit diesem besagten Abend im August ruhen lassen, denn ich wollte keinesfalls irgendwelche Anstrengungen in Form von Segel- oder Tieftauchkursen unternehmen.
Das Ziel namens Inca fand ich ganz prima, denn die Lederstadt würde ohne Zweifel über eine Menge an Schuhgeschäften verfügen und Cafeterias, in denen ich meinen Mann parken konnte. Doch wir fuhren um die Stadt herum und bogen Richtung Caimari ab.
Es ging aufwärts und mit meinem persönlichen Befinden schlicht abwärts. Jahre lang hatte ich mich als eingefleischter Mallorca-Herbst-Urlauber geweigert, in das für mich riesige und unüberschaubare Tramuntana-Gebirge zu fahren, das sich an der gesamten Westküste bis hoch in den Norden zum Cap Formentor zieht. Wegen der Höhenangst. Meine Schwester hatte vor Urzeiten von einer unsäglichen Fahrt dorthin erzählt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass sie um die Nase herum ziemlich grünstichig aussah, als sie von den Serpentinen berichtete, die sich durch diese fürchterlichen Felswände schlängeln.
„Nach dieser Fahrt hat sich deine Angst vor Schluchten erledigt“, prophezeite mein Mann. Eigentlich wollte ich in dem kleinen Örtchen Selva kurz vor Caimari schon aussteigen, doch irgendwie waren meine Entspannungsversuche an diesem wunderschönen Oktobertag mit seinem blauen Himmel erfolgreich. Meine Hände wurden wieder trockener, der Herzschlag beruhigte sich, dennoch grub ich vorsichtshalber, als es weiter bergauf ging, die große Inselkarte aus dem Handschuhfach. Sie tat gute Dienste, um den Blick auf die Gipfel der Berge und die Schluchten zu vermeiden.
Die Fahrt nahm für mich zuerst kein Ende. Bei den Hinweisen meines Mannes in Form von „Nur Mut, gleich gibt es Kultur“ schluckte ich mehrmals tapfer, denn mittlerweile hatte ich einen Blick auf die Inselkarte riskiert und wusste, dass wir uns schnurstracks auf dem Weg zum Kloster Lluc befinden mussten, das mitten im Gebirge liegt. Wir parkten dort auf einem großen Hof. Selbst ich muss sagen, dass mich die Landschaft begeisterte, zumal keine steilen Abhänge in unmittelbarer Sicht waren. Einen Spaziergang auf einem der zahlreichen Pilgerwege traute ich mich nicht, doch die Klostergärten und das wunderschöne Gotteshaus mit der „Schwarzen Madonna“ waren schon diese anstrengende Fahrt wert.
Die Rückfahrt verlief entspannter. Für mich, nicht aber für meinen Fahrer. Denn als wir in dem kleinen Örtchen Selva angelangt waren, sagte meine bessere Hälfte, dass am nächsten Tag der eigentliche Crash-Kurs anstehen würde: „Zur Überwindung deiner Höhenangst fahren wir dann von Lluc weiter nach Soller. Dahin, wo die üppigen Serpentinen sind“. Ich verneinte rigoros. Für den Anfang sollte die Fahrt zum Lluc reichen. Im nächsten Jahr konnte ich immer noch erneut verhandeln. Ich musste ja nicht sofort zugeben, dass mir der besondere Mallorca - Ausflug doch ganz prima gefallen hatte…
Artikel wurde von Andrea Hunkemöller am 24.02.2010 eingereicht.