Wie günstig ist Island wirklich?

 

Wie günstig ist Island wirklich?

Glaubt man dem Isländischen Fremdenverkehrsamt, ist Island derzeit als Reiseland so günstig wie nie zuvor. Als Grund hierfür wird der Verfall der isländischen Währung genannt, die im Zuge der Finanzkrise und der Pleiter großer isländischer Banken extrem an Wert verloren hat. Jedoch ist ein Land, in dem viele Produkte vor der weltweiten Krise mehr als das Doppelte von dem in Mitteleuropa kostete, deshalb heute kein Reise-Schnäppchen. Zum ersten Mal seit Beginn der weltweiten Wirtschaftskrise bereite ich im September 2009 wieder Island und verglich die Preise mit denen von zwei Jahren zuvor.

Bei der Flugbuchung war ich zunächst über den günstigen Preis überrascht. Für nur 320 Euro war der Hin- und Rückflug mit Icelandair im Internet zu haben. Doch buchte ich einerseits für die Nebensaison, in der der Flug deutlich unter den Kosten in den Sommermonaten liegt. Andererseits waren die Flugpreise aber auch schon vor der Finanzkrise in Island gepurzelt, da Icelandair mit zunehmender Konkurrenz durch Billigflieger, wie beispielsweise Iceland Express, zu kämpfen hatte.

Somit passte auch Icelandair die Preise an und fliegt heute deutlich günstiger nach Island als früher – allerdings gibt es dafür auch kein kostenloses Essen mehr an Bord. Die Preise für Sandwiches und andere kleine Snacks sind jedoch moderat.

Nach Ankunft am internationalen Flughafen in Keflavik stand der Transfer in 50 Kilometer entfernte Reykjavik bevor. Das Ticket für den Flybus war mit 25,- Euro nicht viel günstiger als zu früheren Zeiten. In Reykjavik angekommen bezog ich ein Hotel, das ich per E-Mail schon von zuhause aus reserviert hatte. Dabei waren mir bereits die inzwischen sehr günstigen Preise für Übernachtungen in Island aufgefallen. So manches Hotelzimmer, das früher etwa 100 bis 150 Euro pro Nacht kostete, war jetzt für nur 50 bis 75 Euro pro Nacht buchbar - und das nicht nur in der Hauptstadt des Landes.

Für den nächsten Tag sah meine Reiseplanung einen Flug von Reykjavik nach Egilsstaðir in Ostisland vor. Den One-Way-Inlandsflug hatte ich ebenfalls bereits in Deutschland im Internet gebucht und hatte nur rund 50 Euro bezahlt. Früher kostete er gut das Doppelte. In den Ostfjorden stand nun die Übernahme eines Mietwagens an. Mit ihm wollte ich in den kommenden Tagen Ostisland erkunden und anschließend am Vatnajökull vorbei der Südküste folgend zurück zum Flughafen in Keflavik fahren. Auch den Mietwagen hatte ich in Deutschland gebucht. Einen Preisunterschied zu Zeiten vor der Witschaftskrise war mir jedoch nicht aufgefallen. Allerdings waren mit nur 1,- Euro pro Liter Super Benzin die Spritpreise im Herbst 2009 in Island deutlich preiswerter als in Mitteleuropa.

In dem kleinen Ort Egilsstaðir bezog ich das Guesthouse Egilsstaðir, eine Gästehaus direkt auf einem auernhof gelegen. Die Zimmer waren sehr gemütlich eingerichtet und absolut sauber, und auch das Essen im Restaurant war ausgezeichnet. An dieser Stelle kann ich wieder von einem klaren Preisvorteil gegenüber früher berichten. Nicht nur das Gästezimmer, sondern auch das Essen kostete jetzt nur noch die Hälfte von dem, was vor noch zwei Jahren zu zahlen war.

Meine Reise ging weiter in Richtung Süden, um den mächtigen Gletscher Vatnajökull herum, zurück nach Keflavik. In Vik i Myrdal an der Südküste schaute ich kurz bei einer Wollfabrik mit angeschlossenem Souvenirladen rein und hielt nach ein paar Mitbringseln Ausschau. Artikel aus Schafswolle erschienen mir verhältnismäßig günstig im Vergleich zu früher. Andere Souvenirs – viele Made in China - waren ähnlich teuer wie früher.

Ja, Island ist tatsächlich günstiger als früher. Aber wie schon anfangs erwähnt kosteten früher viele Produkte fast das Doppelte von dem in Mitteleuropa. Somit ist Island heute sicherlich kein Schnäppchen, aber es ist zumindest ein Stück bezahlbarer geworden.

Artikel wurde von Michael Feldmann am 25.01.2010 eingereicht.

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