Analyse der Zyklusstruktur – Zyklusweg versus Zyklusfrequenz
Sowohl im Breiten- wie auch im Spitzensport sind die verschiedensten Laufstile zu betrachten. Diese reichen von kurzen Schritten mit hoher Frequenz bis zu sehr langen Schritten mit sehr niedriger Frequenz – ähnlich im Schwimmen. Doch was ist die Optimale Zusammensetzung? Wo ist das Laufen bwz. Schwimmen am ökonomischsten? In diese Thematik will dieser Artikel einführen.
Betrachtet man die Zyklusstruktur, so wird diese durch den Zyklusweg (zurückgelegte Distanz) und die Zyklusfrequenz (Anzahl kompletter Bewegungszyklen, z.B. Schritt mit dem rechten und linken Bein, pro Minute) bestimmt. Will man diese zwei Parameter optimieren, so muss man sich im Klaren sein, dass sowohl biomechanische, als auch leistungsphysiologische Kriterien dabei eine Rolle spielen. Die trainingsmethodische Aufgabe besteht nun darin, eine energetische Absicherung für hohe Vortriebswege unter dem Ausdaueraspekt und eine Vergrößerung der Gesamtenergieabgabe unter Zeitzwang zu erarbeiten.
Die größten Zykluswege treten sowohl beim Lauf, wie auch beim Schwimmen, im Bereich der Mittelstrecke im Belastungsbereich von 2 Minuten auf.
Dies entspricht beim Laufen den 800m und beim Schwimmen den 200m. Sowohl eine Verlängerung der Strecke, wie auch eine Erhöhung der Geschwindigkeit führen zu einer Verkürzung des Zyklusweges. „Für beide Sportarten zeigt sich eine Anfangsdominanz der Bewegungsfrequenz, verbunden mit hohen Beschleunigungen bzw. Bewegungsgeschwindigkeiten und eine Zunahme der Bewegungsfrequenz unter Ermüdung, die jedoch bereits deutlich vor dem Erreichen des Ziels beendet ist“ (Witt, 2008, Ein Modell zur Analyse der Zyklusstruktur in den Ausdauersportarten). Die höchsten Zyklusfrequenzen der unteren Extremitäten werden im leichtathletischen Sprint mit einer Frequenz von über 5 Schritten/s (hochgerechnet 150 Zyklen/min) und in der Freistil-Beinbewegung mit einer Frequenz von bis zu 200 Zyklen/min erreicht. Die Top-Werte der oberen Extremitäten liegen bei 90 Zyklen/min im Kanusport und beim Doppelstockschieben im Skilanglauf (Engert & Kießler, 2004, Olympiazyklusanalyse 2000/2004 Kanurennsport) und kommen bei weitem nicht an die Werte der unteren Extremitäten heran. Die größten Zykluswege der unteren Extremitäten werden mit bis zu 20m beim Eisschnelllauf erreicht. Ruderer, die die maximalen Zykluswege bei den oberen Extremitäten erreichen, schaffen dagegen nur 8m im Einzel- und bis zu 9m in Mannschaftsbooten.
Betrachtet man isoliert das Schwimmen, so vergrößert sich hier der Zyklusweg in allen vier Stilarten von der 50m- bis zur 200m-Strecke. Die einzige Ausnahme bildet das Rückenschwimmen der Frauen. Bei der Zyklusfrequenz unterscheiden sich Männer und Frauen nur marginal. Die Unterschiede beim Zyklusweg liegen zwischen 0,2 und 0,25m. Bei den Finalisten über 50m-Freistil bei den Weltmeisterschaften 2003 wurde für die Arme eine Zyklusfrequenz von 60 Zyklen/min und bei den Beinen eine Frequenz von 180 Zyklen/min ermittelt. (Witt, 2008, Ein Modell zur Analyse der Zyklusstruktur in den Ausdauersportarten) Generell lässt sich die Aussage treffen, dass Gleichschlagschwimmarten (Brust und Schmetterling/Delphin) frequenzorientierter geschwommen werden als Wechselschlagschwimmarten (Freistil, Rückenkraul).
Allgemein lässt sich festhalten, dass wischen Zyklusfrequenz und Zyklusweg in fast allen Sportarten unter Wettkampfbedingungen eine reziproke Beziehung besteht, das heißt eine Frequenzerhöhung geht mit einer Zyklusverringerung einher und umgekehrt.
Eine noch nicht geklärte Frage ist bis jetzt, wie sich die
Sportbekleidung, das heißt Schwimmanzüge oder
Sportschuhe, auf Zyklusweg und Zyklusfrequenz auswirken. Dass sie leistungssteigernd wirken hat man bei den diesjährigen Schwimm-Weltmeisterschaften gesehen doch wie sich dadurch die Gleit- bzw. Zug- und Schubphasen im Schwimmen verändern bleibt nach wie vor offen.
Artikel wurde von Stefan Wengert am 19.11.2009 eingereicht.