Die Bewerbung von Cáceres als Kulturhauptstadt Europas

 

Die Bewerbung von Cáceres als Kulturhauptstadt Europas

Unter Kultur versteht man in Cáceres nicht nur klassische Musik, Malerei und Literatur. Kulturschätze, das sind auch der Schafskäse aus der Extremadura und Prozessionen zu Ehren der Heiligen Gottesmutter. Diese Art von Kultur möchte Cáceres 2016 seinen Gästen aus ganz Europa vorstellen. Denn dann wird Cáceres Kulturhauptstadt Europas sein. Dessen ist man sich zumindest in Cáceres ganz sicher.

Das Organisationsbüro von „Cáceres 2016“ liegt im „Palacio de la Isla“. Der Palast steht an der Stelle der einstigen Neuen Synagoge. Diese wurde in Folge der Vertreibung der Juden am Ende des 15. Jahrhunderts niedergerissen und ein Kloster darauf errichtet. Im 16. Jahrhundert bauten sich die Grafen der Familie de la Isla eine Stadtresidenz auf dem Gelände, die sich auch heute noch an dem Ort befindet. Der schöne Bau liegt nur wenige Schritte von der wuchtigen Stadtmauer entfernt, die schon im 12. Jahrhundert von den Almoraviden errichtet wurden. Die Mauer errichteten sie auf den Fundamenten der alten römischen Stadtmauer, die vor gut 2000 Jahren die alte Siedlung umgab.

Der muslimische Stamm aus Marokko wollte damit den christlichen Eindringlingen einen Riegel vorschieben. Sie waren es auch, die der Stadt den Namen Qazris gaben, aus dem sich Cáceres ableitete. 1229 gelang es den christlichen Rittern schließlich, die Stadt unter ihre Kontrolle zu bringen. Cáceres wurde Bischofssitz.
Die Bewerbung Cáceres’ um den Titel der Kulturhauptstadt Europas geschieht also von einem Ort aus, der von vielen Kulturen und Religionen von der Antike bis heute gestaltet wurde. Genau darauf bauen die Bewerber. Cáceres, das geografisch am Rande Europas angesiedelt ist, liegt mit seiner Vergangenheit mitten in Europa. Das Komitee möchte all den Reichtum aus verschiedenen kulturellen Strömungen in die Waagschale werfen, der Cáceres so einzigartig macht. Dazu gehören einerseits die uralten religiösen Bräuche der Karwoche wie die Prozession zu Ehren der „Virgen de la Montaña“, der Jungfrau vom Berge oder die Festlichkeiten zu Ehren des Stadtpatrons St. Georg. Dazu zählt jedoch andererseits die „Filmoteca de Extremadura“, die seit 1978 das städtische Kulturleben bereichert. Das Filmzentrum hat offiziell immer noch die Aufgabe, das kulturelle Niveau der Bevölkerung zu heben, ein Auftrag, dem man heute mit Schmunzeln begegnet. Diese ureigene Einrichtung der Stadt konnte inzwischen Dependezen in Mérida und Badajoz eröffnen. Denn in den Kinosälen werden Filme abseits vom Mainstream-Kino gezeigt, die beim Publikum gut ankommen. Da es sich um eine städtische Behörde handelt, muss die Filmoteca keinen Profit erwirtschaften, was der Filmauswahl sehr zugute kommt. Das ursprüngliche Ziel der Volksbildung ist auch für die niedrigen Eintrittspreise verantwortlich. Immer noch kosten die Eintrittskarten nicht mehr als einen Euro. Neben den Filmvorführungen unterstützt die „Filmoteca“ seit 30 Jahren extremeñische Filmproduktionen.
Eine weitere Säule der Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas stellt die Präsentation der vielen Volksfeste der Region dar. Die Organisatoren werben ganz bewusst etwa mit der Fiesta in Casar de Cáceres. Dort wird jedes Jahr ausgiebig der neue Schafskäse der Saison gefeiert. Auch andere regionale Produkte wie der iberische Schinken sind daher Teil des kulturellen Reichtums, mit dem Cáceres die Entscheider für sich begeistern will. Dabei ist klar: Auch auf die Museen, Konzertsäle und Musikfestivals der Stadt wird Cáceres in seiner Bewerbung um den begehrten Titel der Kulturhauptstadt hinweisen. Doch kulturelles Leben sollen die Besucher im Jahr 2016 vor allem in den Straßen und auf den Plätzen der Stadt erfahren. Wo sollten sie das besser können als in Cáceres?

Artikel wurde von Petra Müller am 23.10.2009 eingereicht.

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