Die Zukunft der FPÖ
Freiheitliche Partei Österreich, kurz FPÖ, eine der am längst vertretenen Parteien im Österreichischen Parlament – zwei Regierungsbeteiligungen, eine Spaltung. Jörg Haider wurde groß in der Partei. Hochs und Tiefs hat diese Partei durchlebt. Das größte Hoch war wohl der zweite Platz bei der Nationalratswahl 1999, danach kam 2005 ein heftiges Tief, die Partei lag in Trümmern und die Umfragewerte im Keller. Haider ging, Strache kam und seitdem wird eine Sündenbock-
Politik betrieben, die Ihresgleichen sucht.
Mit Slogans wie „Daham statt Islam“ und „Pummerin statt Muezzin“ ist klar, wer der Feind ist. Man betont zwar stets, dass man nichts gegen die rechtschaffenden ausländischen Mitbürger hat – die Propaganda zielt jedoch auch auf die „braven“ Ausländer ab, da werden keine Ausnahmen gemacht. Seitdem ist die Partei wieder erfolgreich, erreichte bei der letzten Wahl fast 20 Prozent und den dritten Platz. Der Zulauf kommt vor allem von den jungen Wählern zwischen sechzehn und 30 Jahren. Das alles machte Strache möglich.
Er kommt bei den jungen Menschen an, er fasziniert die Frauen. In Wahlkampfzeiten sieht man ihn nicht selten in Discotheken, wo er auch schon mal ein Getränk spendiert.
Auch von der Arbeiterschaft konvertieren nicht wenige Menschen von der SPÖ zu den Freiheitlichen, wie die letzten Landtagswahlen zeigten.
Die Leute sind verzweifelt, viele sind von der Wirtschaftskrise betroffen, verlieren ihren Job – die Jugendarbeitslosigkeit ist ohnehin horrend, nicht erst seit der Krise. Natürlich suchen die Leute einen Sündenbock und Heinz-Christian Strache nützt dies schamlos aus. Erst letztens verlangte er, dass in Österreich nicht mehr Englisch gesprochen werden soll. Da heißt die „Homepage“ dann „Heimseite“. „Österreich den Österreichern“ hat das BZÖ unter Jörg Haider 2008 plakatiert. Nun, die FPÖ würde diesen Spruch wohl gerne übernehmen, hätte das Bündnis nicht die Rechte darauf. Erfolgreich ist er garantiert – „Er ist für Sie, weil sie gegen ihn sind“ stammt schließlich auch aus Haider-Zeiten und war nicht gerade unerfolgreich.
Aber die Sündenbock-Politik geht noch weiter: Strache fordert, dass in allen Klassen Österreichs ein Kreuz hängen soll – schließlich geht es ja um die christlichen Werte des Abendlandes. Klar ist, dass das ein weiteres Aufhetzen ist. Die Kirche ist in Österreich am Aussterben und die Jugend interessiert sich schon gar nicht für die Kirche, also welche Motive soll diese Forderung sonst haben?
Nebenbei will H.C. Strache auch, dass in den Klassen Bilder von den jeweiligen Landeshauptleuten hängen. Wie wir alle wissen, setzt der FPÖ-Obmann alles daran, nächster Bürgermeister Wiens zu werden – der Wahlkampf für die Wahl 2010 läuft seit Wochen. Bürgermeister Häupl hat seit er im Amt ist, auf das Konterfei in den Klassen verzichtet – Strache will es unbedingt. Wir haben oben gelernt, dass die FPÖ seit Strache enorm gut bei der Jugend ankommt. Nun zählen Sie doch bitte mal eins und eins zusammen. In den Klassen wird Chaos herrschen zumal der Ausländeranteil in Wiens Klassen überdurchschnittlich hoch ist. Das ist absolut unverantwortlich, denn klar ist, dass sich Strache einen Mythos aufbauen möchte – und die Jugend schluckt das wohlwollend.
Man darf sich fragen, wieso der Chef der FPÖ plötzlich Verantwortung übernehmen will. Unter Haider hat er den Posten des Sportstaatssekretärs abgelehnt, 2006 hat er im Wahlkampf bereits gesagt, dass er in Opposition wolle und zwei Jahre später sagte er kurz nach der Wahl, er wolle nicht in eine Regierung. Hatte er damals Angst vor seiner Vergangenheit? Angst vor den verdächtigen Fotos und seinen Kontakt zur Wiking-Jugend? Und merkt er jetzt, dass ihm das Ganze nicht geschwächt, sondern – ganz im Gegenteil – sogar gestärkt hat? Will er deshalb jetzt aus heiterem Himmel etwas Verantwortung übernehmen? Doch er wählt den Haider’schen Weg und will nicht in die Bundesregierung sondern wählt sich Wien – seine Heimatstadt – als Wirkungsstätte aus. Er tut es seinem Vorbild gleich.
Aber dass die FPÖ ohne Strache nichts wäre ist ebenfalls augenscheinlich. Denn wieso sonst ist neben dem EU-Abgeordneten und Freiheitlichem Spitzenkandidaten zur EU-Wahl, Andreas Mölzer, auch Heinz-Christian Strache auf den aktuellen Plakaten abgebildet? Weil Mölzer keiner – und die Jugend schon gar nicht – kennt. Die FPÖ ist Strache und Strache ist die FPÖ und deshalb ist sie so erfolgreich. Dass der H.C. eigentlich ein unterdurchschnittlich Intelligenter Politiker ist, sehen diese Menschen nicht. Alles was sie sehen sind die Wahlslogans, die diesen Leuten zu gefallen wissen und deshalb wird FPÖ gewählt.
Ach ja, der größte Christ, der mal bei der FPÖ war, tritt heuer für das BZÖ zur EU-Wahl an – irgendwie paradox.
Artikel wurde von Thomas Gutmann am 05.05.2009 eingereicht.