Unser täglich Brot gib uns heute

 

Unser täglich Brot gib uns heute

Warum schreibt ein Atheist einen Artikel über den den wohl bekanntesten Satzes des „Vater Unser Gebetes“ ? Ganz einfach: Auch Atheisten plagt der Hunger. Und nachdem mich, in diesem Falle also den Atheisten, wieder einmal der Hunger überfallen hatte, kamen mir die Gedanken zum Thema Brot.
Nach meinem Dafürhalten müssten eigentlich unsere Vorfahren, sagen wir diejenigen unserer Ahnen, welche bereits vor etwa 10 000 Jahren mit dem Problem der Nahrungsbeschaffung konfrontiert waren, für diesen Satz in die Verantwortung genommen werden. Denn damals entschloss sich der Homo sapiens, müde vom andauernden Herumvagabundieren, endlich sesshaft zu werden. Der Jäger wurde zum Bauern, der Sammler zum Sesshaften.
Lange bevor sich die Hochkulturen Ägypten, China oder die Menschen im Zwei-Strom-Land Mesopotamien dazu entschlossen, unser heutigen Wissenschaft und Forschung noch viele ungelöste Rätsel der Menschheitsgeschichte mit auf den Weg zu geben, erfolgte der Wandel des Menschen von der Fleisches-Lust hin zum Brot-Erwerb.


Während sich das Wollnashorn dazu wiederum gleichzeitig dazu entschloss, auszusterben und anderen Arten Platz zu machen, schuf sich der Mensch seinen eigenen Raum, in diesem Falle Platz für kultivierten und damals noch ökologischen Landbau. Ja, die Zeiten ohne Pestizide und Gentechnik gab es wirklich einmal. Sie müssen schön gewesen sein, schön gesund zumindest.
Aber zurück zum Thema. Während sich also unsere Vorfahren in Nordamerika gerade mit der Besiedelung des Kontinents beschäftigten und ihr Leben gegen Säbelzahntiger und Mammut verteidigen mussten, zerrieben die Europäer bereits Getreidekörner, vermengten diese mit Wasser und buken diesen Brei dann auf heißen Steinen. Fürwahr ein hartes Brot, im wahrsten Sinne nämlich. Und eine fade Geschichte dazu, auch wieder wortwörtlich. Erst als ein solcher Brotteig einmal liegen blieb, höchstwahrscheinlich versehentlich wie so viele Erfindungen der Menschheit, und zu gären begann, hatte der Mensch sein weiches Brot. Der Sauerteig war erfunden !
Warum die Menschen aber noch mehrere Jahrtausende bis zur Erfindung des Rades brauchten, werden wir wohl niemals erfahren, aber auch dies ist ein anderes Thema.
Viele unserer Artgenossen schenken auch heute noch als Willkommensgeschenk dem neuen Nachbarn Brot und Salz. Salz als Zeichen des Reichtums und Brot als Symbol, niemals Hunger leiden zu müssen. Während wir aber dieses kostbare Geschenk oftmals ignorieren, was ist schon ein Laib Brot gegen den neuen Flachbildschirm-Fernseher, würden sich andere Menschen schon über eine einzige Scheibe Brot freuen.
Ein schönes Sprichwort sagt, wem es immer gut geht, der falle auf die Butterseite des Lebens. Viele wären aber schon zufrieden, ein einziges Mal im Leben nur ein Brot mit Butter zu bekommen.
Denken sie vielleicht einmal daran, wenn Sie wieder das „Vater unser“ unbedacht beten.
Was lernen wir daraus ? Im Grund gar nichts, außer dass auch Atheisten wie ich hungrig sind. Und vielleicht noch, dass der Hunger dieser Welt auch mit einer gesunden Portion, wieder einmal wörtlich zu nehmen, katholischer Schein-Heiligkeit nicht zu bekämpfen ist.

Artikel wurde von Paul Boegle am 16.04.2009 eingereicht. E-Mail: gabriele.boegle[at]chello[dot]at

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