Entstehung der Rippen- bzw. Plattformbauweise
Geschichtliche Entwicklung
Die ursprünglichen
Handwerkstechniken, welche den Holzbau ausmachen, wurden bereits Mitte des 19. Jahrhunderts durch die stetig voranschreitende Industrialisierung langsam abgelöst. Als sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts hin die ersten modernen Verkehrsmittel entwickelten, wurden auch die Transportmöglichkeiten um ein Vielfaches einfacher und die sonst so ungreifbaren Produkte wurden allmählich gegenständlich. Diese Faktoren änderten auch die Architektur und das Alte wurde vom Neuen abgelöst. In dieser Zeit erlebte der Einzug von Massivbauten, beispielsweise aus Beton, in Europa einen gewaltigen Aufschwung und die Holzbauten wurden fast vollständig verdrängt. Wohingegen in den USA der Wunsch nach schnell hergestelltem Lebensraum in der Mitte des 19. Jahrhunderts immer größer wurde und somit die Wahl des Baustoffes auf
Holz fiel. Zudem kam es durch neuartige Industrieanlagen dazu, dass die Herstellung von Nägeln in die Massenproduktion ging. Aus diesen Gründen entwickelte sich der „Balloon-Frame“.
In Deutschland wird die Bezeichnung der „Balloon“-Konstruktion um 1930 bekannt. Diese beschreibt eine Rippenbauweise aus Holz mit dicht nebeneinander stehenden Hölzern, welche von außen mit horizontalen Brettern oder Holzwerkstoffplatten beplankt und ausgesteift werden. In Nordamerika entwickelten sich im Laufe der Zeit zwei Konstruktionsweisen: Der Balloon-Frame und der Platform-Frame.
Beim Balloon-Frame
stehen die senkrechten Wandrippen dicht nebeneinander und verlaufen über mindestens zwei Stockwerke. Der Nachteil dieser Bauweise ist, dass keine Ausbildung der Brandabschnitte je Stockwerk möglich ist. Den Abschluss der Wand bilden waagrecht, liegende Bretter, unten die Schwelle, oben die Pfette. Stehende Stegbohlen, welche in die Wandpfosten eingeklinkt sind, bilden das Auflager für die Deckenträger. Zunächst werden die Gebäudehülle und das Dach hergestellt. Dies führt dazu, dass der Innenausbau nicht unter Zeitdruck ausgeführt werden muss. Allerdings können Innenwände und Dachdecken nur teilweise vorgefertigt werden. Die Lastabtragung der vertikalen Kräfte erfolgt über die senkrecht stehenden Wandrippen in die Schwellen und von dort aus in die Fundamente. Ein entscheidender Vorteil der hohen Wandhölzer ist, dass sich mögliche Setzungen nur in sehr geringem Maße einstellen. Jedoch bringt dieser Vorteil zugleich auch einen Nachteil mit sich: Durch die extreme Länge der Hölzer werden die Aufstellarbeiten sowie die Beschaffung des Materials sehr erschwert. Ebenso wird durch die geschossweise Verbindung eine Schallbrücke geschaffen. Alle diese Nachteile führten zu Weiterentwicklungen und es entstand die Plattform-Konstruktion.
Beim Platform-Frame
wurde der Ballon-Frame in der Weise verändert, dass der Aspekt, der die meisten Vorteile mit sich brachte, ausgeschalten wurde: Die Ständer wurden ab sofort geschossweise abgebunden und die Zwischendecken wurden als geschoss-abschließendes Element ausgebildet. So kann die Plattform während der Montage als Herstellungsebene für das nachfolgende Geschoss verwendet werden und zugleich als Arbeitsplatz dienen. Ebenso wird ein Brandabschnitt zwischen den Geschossen hergestellt. Noch heute ist der Platform-Frame im ein- und zweigeschossigem Hausbau in Nordamerika weit verbreitet. Früher betrug der Stützenabstand 1 ½ Fuß. Dies entspricht 45,7 cm und wurde in Kanada nach der Umstellung auf das metrische System vereinfachend auf 40 cm festgelegt. Die geschossweise Herstellung führte schnell dazu Elemente vorfertigen zu lassen und diese zu standardisieren. So besteht die Möglichkeit auf genormte Bauteile zurückzugreifen. Jedoch wird auch die Ausführung direkt auf der Baustelle praktiziert. Die Auflager von Fenster- und Türstürzen werden aus mehreren an den Wandpfosten angenagelten Brettern hergestellt, so dass eine kürzere Stütze entsteht. Die Stärke aller verwendeten Bretter entspricht der Tiefe einer Stütze. Im Gegensatz zu der europäischen Bauweise, gibt es beim Platform-Frame keine aufwändigen und teuren Holz-Holz-Verbindungen, sondern Verbindungen mit Nägeln. Die Flexibilität in der Bauweise sowie in der Konstruktion verschaffen dem Platform-Frame ein positives Image und viele Vorteile. Deswegen wird seit 1980 auch in Deutschland die Herstellung dieser Bauart für den Wohnungsbau sowie für den sozialen Wohnungsbau angestrebt und durchgeführt.
Artikel wurde von Zimmerei Lederer am 15.04.2009 eingereicht. E-Mail: info[at]lederer-zimmerei[dot]de