Die Esskastanie auf Korsika

 

Die Esskastanie auf Korsika

Neben der Küste ist das prägendste Landschaftselement auf der Mittelmeerinsel Korsika das Gebirge. Es ragt bis auf 2708 Meter auf und bedeckt fast die komplette Insel. Ensprechend rar ist dadurch auf Korsika die landwirtschaftlich nutzbare Fläche. Getreide wird heute fast überhaupt nicht mehr angebaut und auch in früheren Jahrhunderten war es nicht das Getreide, dass dafür sorgte, dass die Menschen satt wurden, sondern die Esskastanie (Castanea sativa), auch Edelkastanie genannt. Die Esskastanie wurde vor allem durch die Römer im gesamten Mittelmeerraum verbreitet. Auf Korsika wurde die Anpflanzung von Esskastanien ferner im Mittelalter durch die Genueser gefördert. Auf Korsika wächst die Esskastanie bis auf eine Höhe von rund 1000 Meter. Die größten Vorkommen sind zum einen in der Castagnicchia und in der Gegend um Evisa zu finden. Doch auch auf Korsika wurde der Kastanienanbau im Zuge der Industrialisierung zunehmend vernachlässigt. Viele Kastanienhaine werden schon seit Jahrzehnten nicht mehr gepflegt.

Hinzu kommt, dass im vergangen Jahrhundert der Kastanienrindenkrebs zahlreiche Bäume vernichtete. Doch mittlerweile haben sich die Bestände wieder erholt und das Interesse an der Kastanienfrucht ist wieder zurückgekehrt. Doch während die Esskastanie früher das wichtigste Grundnahrungsmittel war, so ist es heute eine Spezialität. Wichtigster Schritt bei der Verarbeitung der Früchte ist die Trocknung. Anschließend werden die Esskastanien gemahlen. Das Mehl dient dann zur Herstellung von Brot, Pasta oder Kastanienmus. Auf Korsika hat sich zudem eine Brauerei gefunden, die aus Kastanienschrot Bier braut.
Die größte Bedeutung hat die Esskastanie allerdings nach wie vor als Futter für die verwilderten Hausschweine. Denn Kenner wissen, dass es die Kastanien sind, die dem korsischen Schinken und der Wurst sein besonderen Geschmack geben. Für die Kastanienanbauer bedeuten ebendiese Schweine jedoch die größte Gefahr. Um die Kastanienhaine vor den Schweinen zu schützen müssen diese eingezäunt und immer wieder kontrolliert werden. Doch der Aufwand scheint sich zu lohnen, denn die Anbaufläche für Esskastanien ist auf Korsika in den vergangenen Jahren wieder angestiegen.

Artikel wurde von Markus Boos am 13.09.2008 eingereicht.

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