Die Welt spielt Poker – warum eigentlich?
Poker – ein Strategiespiel?!
In den Köpfen der meisten Menschen (ebenso nach Ansicht des Gesetzgebers) ist Poker ein Glücksspiel. Wie kommt es dann, dass viele Menschen behaupten, Poker sei ein Strategiespiel? Ist das nur der Versuch der Rechtfertigung einer neuen Leidenschaft, die sich beinahe virusartig über die ganze Welt verbreitet hat?
Betrachten wir die Sache näher und wagen zwei Vergleiche – mit dem Schachspiel und dem Roulette.
Beim Schachspiel trifft jeder Spieler in jedem Zug eine Entscheidung. Diese Entscheidung besteht aus der Auswahl desjenigen Spielzugs, welcher in der momentanen Situation zum bestmöglichen Ergebnis (für den Spieler) führt. Die Grundlagen für die Entscheidung ändern sich im Verlauf des Spiels ständig. Es gewinnt stets der Spieler, der die besseren Entscheidungen trifft. Schach ist also ein klassisches Strategiespiel.
Beim Roulette gibt es nur eine einzelne Entscheidung, und die vorliegenden Informationen sind sowohl in der Summe als auch inhaltlich stets identisch (nämlich die Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Treffer und die Auszahlungsstruktur der Bank).
Alle Entscheidungen sind hierbei qualitativ gleichwertig, kein Spieler kann sich demnach durch Wissen oder Erfahrung einen Vorteil verschaffen. Roulette ist also ein klassisches Glücksspiel.
Wie ist es nun beim Pokern? Anders als beim Roulette kann (und muss) der Spieler im Verlauf einer Pokerhand diverse Entscheidungen treffen und die Grundlagen für diese Entscheidungen, also die verfügbaren Informationen in Form von Auszahlungsstruktur (der Gesamtbetrag im Pot) und die Gewinnchancen (auf der Basis der angenommenen Hand des Gegners) ändern sich stetig. Das Wissen, welche Entscheidung zu einem bestimmten Zeitpunkt auf der Grundlage der vorhandenen Informationen die beste ist – benötigt Erfahrung und Wissen – genau wie beim Schach also. Nun kommt aber ein weiteres Element ins Spiel. Nach der Spieltheorie gibt es auch beim Poker stets einen optimalen Zug. Dennoch garantiert dieser nicht immer das optimale Ergebnis – jedenfalls nicht kurzfristig, wenn einem der Zufall (in Form statistischer Varianz) einen Strich durch die Rechnung macht. Da langfristig jedoch eine Gleichverteilung eintritt, wird der Zufall auf lange Sicht irrelevant (so wie jede Zahl beim Roulette langfristig genau so oft kommt wie jede andere), was das langfristige Ergebnis dann doch wieder nur noch von der Qualität der Entscheidung des Spielers abhängig macht.
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Ihr Jens Hartwig
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