Das Endocannabinoidsystem
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Das Endocannabinoidsystem
Lange Zeit war der Forschung unklar, ob THC wie Alkohol unspezifisch auf
Zellfunktionen einwirkt oder wie LSD (Lysergsäurediethylamid) sich an einen
spezifischen Rezeptor bindet und dort die elektronischen Signale manipuliert, die zur
Weiterleitung von Informationen dienen.
1987 wurde von Howlett und Kollegen von der medizinischen Fakultät der St. Louis
Universität in Missouri/USA erstmals demonstriert, dass einige Cannabiswirkungen
rezeptorvermittelt sind.2
Somit war bewiesen, dass Delta-9-THC sich spezifisch an eine spezielle
Bindungsstelle auf den Zelloberflächen bindet, den sogenannten Rezeptoren. Diese
Rezeptoren, auch Cannabinoid-Rezeptoren genannt, sind Proteine, die sich in der
Zellmembran befinden. Jeder Rezeptor hat eine Bindestelle für bestimmte Moleküle
(Liganden), die sich nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip an den Rezeptor binden.
Mit der Entdeckung der Cannabinoid-Rezeptoren (Endocannabinoidsystem) wurde
die Suche nach einer körpereigenen Substanz, dem eigentlichen Liganden des
Cannabinoid-Rezeptors, immer größer.
1992 wies Professor Raphael Mechoulam
von der hebräischen Universität in Jerusalem nach, dass Anandamid (auch
Arachidonylethanolamid oder Endocannabinoide genannt) der endogene Stoff ist,
der dem Delta-9-THC von der Struktur sehr ähnlich ist.
Die Bindungszeit der Endocannabinoide an den Cannabinoid-Rezeptoren beträgt
etwa einige Minuten, ist somit wesentlich kürzer als die der Cannabinoide, jedoch
haben beide die gleiche psychoaktive Wirkung auf das zentrale Nervensystem.
Nach intravenöser Gabe von Anandamin waren nahezu alle Effekte nach 30 Min.
vollständig verschwunden, bei THC hätte dies mehrere Stunden gedauert.
Bei Cannabinoid-Rezeptoren unterscheidet man zwischen zwei verschiedenen Arten
von Rezeptoren:
Der CB1-Rezeptor, der hauptsächlich im zentralen Nervensystem (Gehirn und
Rückenmark) zu finden ist, tritt dort nur in bestimmten Bereichen auf. Vor allem im
Kleinhirn, in dem Bewegungen und Koordination gesteuert werden. Außerdem
befinden sich besonders viele CB1-Rezeptoren in Bereichen des Hippokampus
(Zentrum der Gefühlsverarbeitung) und der Großhirnrinde, wo u.a. das Kurz- und das
Langzeitgedächtnis vorhanden sind.
Im Stammhirn, wo lebenswichtige Funktionen wie die Atmung koordiniert werden,
sind kaum CB1-Rezeptoren vorhanden, diese Vorgänge können somit beim Konsum
nicht beeinflusst werden. Dies mag der Grund sein, warum noch kein Mensch an
einer Überdosis Cannabis gestorben ist.
Verteilung von THC im Gehirn
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Funktionen der Großhirnrinde
Ein weiterer Cannabinoid-Rezeptor (CB2-Rezeptor) wurde auf Immunzellen der Milz
entdeckt, was nahelegt, dass der Konsum von Cannabis einen Einfluss auf das
Immunsystem hat. Welche genauen Auswirkungen jedoch die CB2-Rezeptoren auf
das Immunsystem haben, ist bisher noch nicht erforscht.
Verschiedene Cannabinole binden sich durch ihre unterschiedlichen Strukturen
verschieden stark an die CB-Rezeptoren. Delta-9-THC ist es möglich an beide
Rezeptoren anzudocken, jedoch ist dies nur wenigen Cannabinoiden möglich.
Die natürliche Funktion des Endocannabinoidsystem ist bisher noch nicht vollständig
erforscht worden, aber durch die Verteilung der Cannabinoid-Rezeptoren, durch die
weitgehende Erforschung der Funktionen und Aufgaben der einzelnen Teilbereiche
im Gehirn und durch die bekannte Wirkung der Anandamide/Cannabinoide kann man
vermuten, dass es eine Rolle bei der Verarbeitung von Informationen bei der
Koordination, Sinneswahrnehmung, Bewegung und beim Gedächtnis spielt.
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