Welche Medikamente gibt es gegen Migräne?
Migräne ist ein anfallsartiges, akut auftretendes Leiden, welches in seiner Gesamtheit und Vielfältigkeit des Auftretens noch nicht komplett bekannt ist.
Charakterisiert ist die Migräne von stechenden, pulsierenden, meist halbseitigen Kopfschmerzen, Übelkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit und mehr oder weniger häufigen Sehstörungen. Auch Ausfallserscheinungen beim Sprechen oder kribbelnde Wahrnehmungen an den Extremitäten können Begleiterscheinung der Migräne sein.
Im Bereich der Migräneprophylaxe sind Medikamente mit Betablockern (Metoprolol, Propranolol) oder Ca-Antagonisten (Flunarizin) oder Topiramat (Topamax Migräne ®) recht erfolgreich. Substanzen wie Magnesium, Riboflavin, Mutterkornalkaloide, Clonidin, Amantadin und Valproisäure gelten als weniger potent.
Die medikamentöse Behandlung der Migräne hat einen hohen Stellenwert. Typische Medikamente beim Migräneanfall sind Schmerzmittel. Sie werden allerdings erst nach dem Anfall oder währenddessen eingenommen. Zu den
Migräne-Medikamenten der ersten Wahl zählen Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin ® ua), Paracetamol oft auch in Kombination und in Dreierkombination mit Coffein und Ibuprofen (z.
B. Dolorminin ®) verschiedenen Stärken und Dosierungsformen. Weniger geeignet sind Naproxen- und Phenazonpräparate
Da Migräne anfallartig auftritt, können spezifische Medikamente gegen Migräne auch zu Beginn des Anfalls eingenommen werden. Um schweren Migräneanfällen zu begegnen, werden zwei Therapieformen unterschieden. Die Medikamente sind meist verschreibungspflichtig und werden als Serotonin-Agonisten bezeichnet.
Es können unselektive Serotonin-Agonisten oder selektive Serotonin-Agonisten eingesetzt werden. In letztere Kategorie fallen die Triptane (u.a. Zolmitriptan, Naratriptan und Rizatriptan). Sie wirken zu jeder Zeit während des Migräneanfalls. Triptane als Transmittersubstanzen reduzieren oder unterbrechen die Schmerzleitung im Gehirn und beugen dem folgenden Kopfschmerz vor. Sie helfen auch gegen die sehr belastenden Nebenerscheinungen. Das Präparat
Formigran ® (Naratriptan) ist rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Die Einschränkung, dass nur Personen zwischen 18 und 65 Jahren bei gesicherter Migränediagnose
Formigran einnehmen dürfen, ist unbedingt zu beachten.
Die Anwendung von Mutterkornalkaloiden als unselektive Serotonin-Agonisten wird speziellen Migräneformen vorbehalten.
Viele Medikamente gegen Migräne führen bei häufiger und langer Einnahme zu Nebenwirkungen wie Leberschäden, Magengeschwüren (insbesondere ASS) und z.T. auch Kopfschmerzen (Analgetika-Kopfschmerz; auch bei Mutterkornalkaloiden). Aus diesem Grund sollten Medikamente gegen Migräne gezielt und entsprechend der Schmerzattacken gewählt werden. Es empfiehlt sich ein Migränetagebuch zu führen, in dem Anzahl, Häufigkeit, Begleitumstände und Beschreibung der Attacken festgehalten wird. Mit diesen Hinweisen fällt es dem Migräne-Therapeuten leichter, eine geeignete Therapie und Medikamente zu verordnen.
Weitere Informationen können u.a. auch bei der Deutschen Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft oder der Migräne-Liga e.V. eingeholt werden.
Dr. Ralph Roeder
dr.roeder[at]gmx[dot]de