Haben Linkseiten ausgedient?

 

Haben Linkseiten ausgedient?

Jeder, der die Frühzeit des HTML-basierten Internet aktiv miterlebt und mitgestaltet hat, erkennt die signifikanten Unterschiede im Aufbau und in der Gestaltung von Webseiten damals und heute. In den Anfängen des WWW hatten Webseiten vor allem eine Aufgabe: Transport von Informationen vom Wissenden zum Suchenden. Nicht mehr, nicht weniger. Typischerweise verfaßte man dazu ein oder mehrere Seiten mit Informationen zum Fachgebiet, oftmals schwarze Schrift auf grau oder weiß, (besonders Fortschrittliche scannten ihre Rauhfasertapete und nutzten sie als Hintergrund), und fügte eine spezielle Seite mit Links zu weiterführenden Informationen, aber auch zu Freunden und Bekannten ein. Diese Linkseiten waren in der Frühzeit neben ineffektiven Suchmaschinen die einzige Möglichkeit, Besucher auf die eigenen Seiten zu bekommen und erfreuten sich lange Zeit großer Beliebtheit. Auf die Linkseiten kam jeder, der ein interessantes Angebot betrieb - die Webmastergemeinschaft war klein und durch puren Enthusiasmus miteinander verbunden.



Längst ist das Web nun kommerzialisiert und der Kampf der Webmaster wird gegeneinander ausgetragen, um vom Werbekuchen, der Seuche des WWW, ein größmögliches Stück abzubekommen. Selbst Freizeitwebmaster vom Karnickelverein Hinterweltland glauben nun zu wissen, daß ihr Internetauftritt einen hohen monetären Wert hat. Es wird seit langem nicht mehr freiwillig auf interessante Angebote verlinkt, sondern der Linkplatz wird verkauft oder gegen einen vermeintlich sinnvollen Backlink getauscht. Damit hat sich der Link als qualifizierte Empfehlung eines fremden Internetangebotes zu großen Teilen selbst überflüssig gemacht, es geht nur noch darum, vor dem Sortieralgorithmus einere großen Suchmaschine möglichst gut auszusehen. Da dieser Algorithmus vermeintlich Links von Listen als minderwertig einstuft, arbeiten sogenannte SEOs daran, den Ruf der Linkseiten zu ruinieren und nur noch Links aus dem Text, dem Content einer Seite als brauchbar anzuerkennen. Viele unbedarfte Hobbywebmaster fallen auf die vermeintlichen Profis herein, plappern diese Halbheiten nach und verbauen sich damit die Chance, ihren Besuchern in Form einer Linkliste einen echten Mehrwert zu bieten, nämlich weiterführende Links zu Inhalten, die der Besucher interessant finden könnte, weil sie der Webmaster interessant findet. Damit veschwindet eine der Stützen der Benutzbarkeit des Internets, die freiwillige Verlinkung, langsam aber sicher von der Bildfläche und macht den Weg frei für noch mehr Kommerzialisierung. Wer dem entgegenwirken möchte, sollte auch zukünftig Hinweise auf gute Webseiten zusammentragen und dem Besucher präsentieren. Da dies nur selten im eigenen Text möglich bzw. sinnvoll ist, eben in Form einer Linkliste. Es kostet nichts und stiftet Nutzen. Bewahrt die Linklisten!

Artikel wurde von Marco Struckmann am 30.12.2007 eingereicht.

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